Unser erotischer Kreativkopf hat es geschafft und einen ersten Teil seiner Geschichten vorgelegt. Damit können wir Euch heute endlich den ersten Teil vorlegen.
Nun, es hat lange gebraucht, aber die Fortsetzung ist da, heute ganz neu!
Viel Freude damit
Euer FrischGefickt.com Team
Genau hier, an dieser Stelle, wurde ich an einem wundervollen Abend auf die erstaunlichste Weise beglückt«, sagte die Contessa Marina mit vibrierender Stimme und leuchtenden Augen. »Es war so romantisch, Mr. Jervis, eine der wunderbarsten Nächte meines Lebens.« Toby Jervis, neben ihr, auf der Rialto-Brücke im Herzen Venedigs, sah sie höflich amüsiert an. Der weiße Steinbuckel der Brücke, auf der sie standen, spannte sich in einem einzigen Bogen über den Canal Grande. Tief unten glitzerte, von vorüber ziehenden Booten gekräuselt, das Wasser in der Sonne. Da waren knatternde Wasserbusse, die mit ihrer Ladung Touristen auf Sightseeing-Tour wie rudernde Enten im Wasser lagen. Da waren Gondeln mit langen, dünnen Hälsen wie schwarze Schwäne. Da waren dickwanstige, geräuschvolle Motorbarken, die Lastwagen Venedigs, voller Wein rund Gemüsekisten, und scharfnasige Barkassen, die Taxis der Stadt. Als Szenerie für ein romantisches Intermezzo schien Toby die Rialto-Brücke kaum geeigneter als der Trafalgar Square, wenn man sich an den Sockel eines der steinernen Löwen lehnte. Noch dazu für eine Dame von Adel. Der obere Rand der Balustrade war mehr als hüfthoch; Contessa Marina legte eine weiß behandschuhte Hand auf das Maßwerk. Sie betrachtete Toby mit ernstem Blick, während sie ihr unwahrscheinliches Geheimnis preisgab. Ihre Kleidung war Haute Couture und kostspielig, das konnte jeder sehen. Sie trug ein elegantes, knielanges Futteralkleid aus Schantungseide in einem zarten Magnolienton. Ihren breitkrempigen weißen Strohhut schmückte ein scharlachrot gestreiftes Band. »Schockiere ich Sie?« fragte sie mit einem hoffnungsvollen Schimmer in den Augen. »Engländer sind in Liebesdingen doch so konventionell.« Sie war selbst eine geborene Engländerin und Contessa nur durch Heirat. Doch sie hatte lange genug in Italien gelebt, um sich eine entfernt fremdländische Sprechweise anzueignen. Es war nicht wirklich ein Akzent, eher ein heiterer Schwung, ein unbritischer Rhythmus in ihren Sätzen. »Aber nein«, sagte Toby und spielte den Mann von Welt. »Sie haben mich entzückt mit diesem kleinen Einblick in Ihr Intimleben. War es ein guter Freund, von dem Sie sich so hinreißen ließen, oder jemand, den Sie nur flüchtig kannten?« »Es war ein Gast, der bei uns im Palast wohnte, genau wie Sie«, sagte Marina, und ihre dunkelbraunen Augen studierten Tobys Gesicht, um herauszufinden, ob er hatte unhöflich sein wollen, indem er andeutete, sie könnte einen Fremden aufgelesen haben, um sich von ihm auf einem Brückengeländer nehmen zu lassen. Er bemerkte den Ausrutscher und korrigierte sich rasch. »Natürlich war es jemand, den Sie kannten und mochten«, sagte er mit einem gewinnenden Lächeln, »aber es kommt ja gelegentlich vor, dass sich zwei Menschen begegnen und sich so stark zueinander hingezogen fühlen, dass sie einander sofort in die Arme fallen. So habe ich etwa auf einem Tanzabend in London im vorigen Sommer eine sehr hübsche junge Holländerin getroffen - die Tochter von jemandem aus der Botschaft dort, und es war, als schlügen Blitz und Donner bei uns ein, während wir einen Tango tanzten. Es blieb uns gar nichts anderes übrig, als ins Mondlicht auf der Terrasse hinauszustürzen glücklicherweise war das Sommerhaus leer, und da haben wir es gemacht.« »Ach, das heiße Blut der Jugend!« sagte Contessa Marina mit einem leisen Seufzer. »Wie hieß sie denn?« »Margriet.« Die Contessa lächelte und neigte in einer graziösen kleinen Geste des Wohlwollens den Kopf. Sie musste über vierzig sein, schätzte Toby, zwanzig Jahre älter als er, aber sie hatte sich eine gute Figur und einen guten Teint bewahrt. Natürlich war ihr Stil der ihrer edwardianischen Jugend die rundliche Stundenglas Figur samt üppigem Busen und Po. In Tobys Augen war sie zu vollbusig und füllig im Vergleich zu den geschmeidigen jungen Damen, die er in London kannte schlanke Schönheiten von 1929 mit zerbrechlichen Körpern und schmalen Hand- und Fußgelenken. Durch irgendein Wunder der Natur hatten sie elegante kleine Pobacken, die unter ihren Röcken kaum zu sehen waren. Wenn man sie auszog, enthüllten sie lange, schlanke Oberschenkel, die sich einem um die Hüften legten und einen umklammerten, während man auf ihrem flachen, schmalen Bauch lag. »Diese Brücke ist ein sehr belebter Verkehrsknotenpunkt«, sagte er. »Wie um alles in der Welt haben Sie es fertiggebracht, hier Liebe zu machen, ohne festgenommen zu werden?« »Es war gegen drei Uhr morgens«, sagte die Contessa und belohnte sein Interesse an ihrer Eskapade mit einem Lächeln. »Zwischen Partygästen auf dem Heimweg und den ersten Arbeitern, die ihren Tag beginnen, senkt sich eine Stunde des Schweigens und der Stille über Venedig.«
»Sie waren vermutlich selbst auf einer Party, und es geschah aus einer plötzlichen Eingebung, nehme ich an?« sagte Toby und ließ einen vorsichtigen Blick über den Körper seiner Begleiterin wandern, von ihren vorgewölbten Brüsten bis zur ausgeprägten Kurve von Bauch und Hüften unter der magnolienfarbenen Seide. Er fragte sich, was für Unterwäsche sie wohl trug und ob sie sie nur über die Hüften heruntergezogen oder ganz abgestreift hatte, während ihr namenloser Freund sie hier nahm. Sie mussten gestanden haben, anders ging es nicht.
»Nein, es war keine Eingebung«, antwortete sie, während sie seinen Blick registrierte, »mein lieber Freund hatte es im voraus geplant er ist ein sehr idealistischer Mensch und sehnte sich danach, mich einmal hier auf der berühmten Rialto-Brücke zu lieben.« »Gegen die Brüstung gelehnt?« sagte Toby mit einem durchtriebenen Lächeln und zog die Augenbrauen hoch, um anzudeuten, dass er eine Frage stellte und keine Feststellung traf. »Ich stand genau hier, wo ich jetzt stehe«, sagte die Contessa Marina und wandte ihr Gesicht auf den Kanal hinaus. »Orlando stand dicht hinter mir. Er ließ die Hände unter meinen Rock gleiten und hob ihn hoch bis über den Po, um mich streicheln zu können. Wir waren nur hier auf der Brücke, um Liebe zu machen, deshalb trug ich an jenem Abend keine Unterwäsche. Mein Po war ganz nackt für ihn.« »Orlando - so hieß er doch?«
»Nein, so nenne ich ihn. Es scheint mir so gut zu seiner feurigen und poetischen Natur zu passen. Nur die so außerordentlich romantische Seele eines Dichters konnte die Eingebung haben, mich hier nehmen zu wollen, des Nachts auf der Rialto-Brücke.« »Ah, Orlando ist ein Dichter«, sagte Toby, ein wenig irritiert. Er war nur ein einziges Mal einem Dichter begegnet, William Butler Yeats. Und der war Ire und sah nicht aus wie ein Mann, der des Nachts auf einer Brücke über eine adelige Dame herfallen würde. Aber bei diesen Künstlern konnte man nie wissen. »Er ist Professor für Bildende Künste«, erwiderte die Contessa mit einer gewissen Schärfe, denn die ständigen Unterbrechungen der Geschichte von ihrer nächtlichen Liebe unter Sternen missfielen ihr. Der zarte Hinweis entging Toby nicht, denn er wechselte sogleich den Ton und schaltete auf Sympathie und Verständnis, damit sie fortfuhr.
»Und da standen Sie also im Mondlicht«, sagte er und berührte kurz ihren Handrücken unter dem weißen Handschuh, und seine Verbundenheit zu signalisieren, »das legendäre Postkartenpanorama des Canal Grande bei Nacht vor Augen, Ihr Herz in Flammen und der Sie umarmende Orlando dicht hinter Ihnen.« »Sie schildern das so schön, Mr. Jervis - tief in Ihnen scheint sich auch eine poetische Ader zu verbergen. Ja, da standen wir, dicht an dicht, so dicht, dass ich fühlen konnte, wie hart er war. Er öffnete seine Hose, damit sich sein cazzo zwischen meine nackten Hinterbacken drängen konnte.« Großer Gott, warum erzählt sie mir das alles, fragte sich Toby, der kaum seinen Ohren traute. Noch nie hatte sich ihm eine Frau so offen anvertraut. Die Mädchen, die er, wie intim auch immer kannte, sprachen nicht über das, was sie mit anderen Männern taten oder getan hatten: das wäre rundum peinlich gewesen. Vor allem hätte es die Frage nach dem Leistungsvergleich aufgeworfen und ob nun ausgesprochen oder nicht, sie hätte stets in den Köpfen gelauert. Tatsache war, er hatte noch nie zuvor eine Frau wie die Contessa Marina kennengelernt. Da sie zu alt war, um sexuelles Interesse an ihm zu haben, fand er ihre Vertraulichkeiten amüsant und ein wenig ungehörig - fast so, als begänne eine Tante ihre Jungmädchenstreiche aus grauer Vorzeit zu erzählen. »Damit ich nicht erkannt würde, falls wir jemandem begegneten, der mich kennt, borgte ich mir Kleider von meinem Hausmädchen«, fuhr die Contessa fort. »Stellen Sie sich vor, ich war gekleidet wie eine einfache venezianische Arbeiterin mit ärmelloser Bluse und langem schwarzem Rock, dazu ein Tuch um die Schultern. O ja, und das Haar hatte ich oben auf dem Kopf zu einem Knoten gerafft.« »Faszinierend«, sagte Toby. »Wenn jemand vorbeigekommen wäre, der Sie kennt, hätte man Sie glatt für die Frau eines Gondoliere gehalten und nicht für die schöne Contessa Marina di Torrenegra. Aber bitte, fahren Sie doch fort. Sie sagten, Orlandos Hände lagen auf Ihrem bezaubernden derriere ...«
»Nein, sein cazzo presste sich gegen meinen Po«, korrigierte sie ihn, »seine Arme umschlangen meine Taille, und er hatte beide Hände unter meinem Schultertuch. Ich hatte meine Bluse für ihn aufgeknöpft. Natürlich trug ich nichts darunter ...« »So was!« murmelte Toby und legte Bewunderung in seine Stimme. »Ja«, sagte die Contessa. Ihre dunklen Augen leuchteten, und ihre Stimme senkte sich fast zu einem Flüstern. »Es war einer jener Augenblicke im Leben, die man nie vergisst dieses kleine Zwischenspiel voll heftiger, atemloser Erwartung, bevor ich fühlte, wie er in mich eindrang.« Toby fragte sich, wann das wohl gewesen war. Adelige Damen mittleren Alters beugten sich nicht über das Geländer öffentlicher Brücken, um sich von hinten beglücken zu lassen es musste eine Eskapade aus ihrer Jugend sein, vor zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren. Aber sie hatte einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen, soviel war klar. »Was soll ich noch sagen?« fuhr sie fort und ihre Stimme bebte vor Erregung. »Dann haben wir uns hier unter dem nächtlichen Himmel leidenschaftlich geliebt. Orlando flüsterte immer wieder meinen Namen und sagte, er bete mich an. In meinen Augen leuchteten die Sterne, ich war im siebten Himmel.«
Toby versuchte sich die Szene vorzustellen, die Contessa über die Balustrade der Brücke gebeugt, den üppigen, nackten Hintern nach rückwärts ausgestreckt, und ihr Freund dicht dahinter, wie er seinen steifen cazzo - wie nützlich, dieses Wort zu kennen in sie hineinstieß und seine Hände ihre Brüste umklammerten, während er weiterrammelte. Jeder nächtliche Passant auf der Brücke wäre sofort stehen geblieben, um diese komische Szene zu beobachten -und hätte vielleicht sogar am Ende heftig Applaus gespendet. Nach den Worten der Contessa und ihren zarten Hinweisen auf ihre feurige Jugend zu urteilen, hatte der Höhepunkt von Orlandos al resco Vorstellung sie sicher zu lautem, ekstatischem Stöhnen inspiriert, nicht unähnlich den verwilderten Katzen Venedigs, die den ganzen Tag schliefen und des Nachts auf die Straße kamen, um zu einem Klagechor des Verlangens ihren Liebeshändeln zu frönen. »Ich fühle mich wirklich geehrt, dass Sie mir erlaubt haben, an diesen Erinnerungen an vergangene Wonnen teilzuhaben«, sagte er so ernst er nur konnte. »Wie lebhaft Sie das alles heraufbeschworen haben, als wäre es erst gestern gewesen, obwohl es bestimmt lange her ist, noch vor dem Weltkrieg.« »Aber nein«, sagte sie und funkelte ihn überrascht an, »es war erst vor zwei Jahren - nein, vor drei. Wie schnell doch die Zeit verfliegt. Wie kommen Sie denn darauf, dass es länger her ist?« Toby suchte verzweifelt nach einem Ausweg aus dem Dilemma, in das er sich da geritten hatte. Wenn die Contessa herausfand, dass er glaubte, sie sei zu alt für nächtliche Lustbarkeiten auf der Rialto-Brücke - oder wo auch immer, wäre sie so verletzt, dass er sich womöglich von der Aussicht auf den Profit verabschieden könnte, die ihn nach Venedig geführt hatte.
»Aber wie wunderbar!« sagte er, nahm ihre Rechte in dem weißen Glacehandschuh und hob sie an die Lippen, während er sich in gespielter Ehrerbietung verneigte. »Ich vergehe vor Bewunderung, Contessa! Ich war der irrigen Annahme, dass diese wunderbaren Ereignisse einfach nicht kürzlich geschehen sein könnten, weil Romanzen der Vergangenheit anzugehören scheinen, zumindest in England. Aber angesichts einer Lady von Ihrer ausgesuchten Empfindsamkeit und Ihrem Charme und einem so heißblütigen italienischen Gentleman wie Orlando als Begleiter sehe ich, dass das Romantische hier in Venedig noch blüht und gedeiht. Und ich bin entzückt, das zu hören.« »Orlando ist Engländer«, sagte die Contessa und starrte ihn voller Befremdung an, »er lehrt an der Universität London.« Diese Mitteilung verblüffte Toby, aber er verbarg seine Verwirrung hinter einem liebenswürdigen Lächeln und schüttelte wie vor Verwunderung den Kopf. In der Tat, er war erstaunt - noch nie war ihm der Gedanke gekommen, dass so ernsthafte Langweiler wie Hochschullehrer zu dergleichen öffentlichen Lustbarkeiten um drei Uhr morgens zu überreden wären. Je mehr er darüber nachdachte, desto sicherer war er sich, dass Orlando nicht der Initiator dieser Komödie war, sondern dass ihn Contessa Marina dazu überredet hatte, sie hier zu beglücken.
Es war für Toby wie für alle Besucher schwer einzusehen, dass der Canal Grande nicht einfach nur eine Touristenattraktion ist, sondern die Hauptstraße Venedigs, und dass ein Großteil des Verkehrs an Menschen und Gütern über ihn verläuft. Er windet sich über mehr als zwei Kilometer in Form einer Zwei durch die Stadt, vom Bahnhof in Richtung Südosten bis zum Markusplatz. An seinen Ufern stehen zweihundert alte Paläste. In einem von ihnen wohnten die Contessa Marina und ihre Schwester im Palazzo Malvolio. Von der Rialto-Brücke aus war der Palazzo Malvolio gerade noch am äußersten Ende des linken Ufers zu sehen, wo der Canal Grande seine letzte große Biegung nach Osten zum offenen Meer hin macht. Auf diese Entfernung und im Dunst der Hitze waren Details nicht auszumachen, aber es war ein großes und schönes Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, im palladianischen Stil. Toby war dort in den letzten beiden Tagen nach seiner Ankunft in Venedig zu Gast gewesen, eingeladen nicht von der Contessa, sondern von ihrer Schwester, der der Palast gehörte. Heute nun, als sie auf der Rialto-Brücke stand und ihm von ihrem Abenteuer erzählte, hatte ihn die Contessa zu einer ihrer Freundinnen zum Lunch mitnehmen wollen. Unter normalen Umständen hätte sie den kürzesten und traditionellen Weg mit einer Gondel genommen, denn zwei dieser schwankenden Schiffe lagen am schwimmenden Anlegeplatz des Palazzos Malvolio, mit muskulösen, in den Familienfarben gekleideten Gondolieri. Aber Toby hatte sie überredet, zu Fuß zu gehen, damit sie ihm einige der Sehenswürdigkeiten am Wege zeigen konnte. Zu Fuß zu gehen war, so schien es, nicht gerade Contessa Marinas bevorzugte Form körperlicher Ertüchtigung, aber Toby Jervis war groß und sah mit seinem britischen Gesichtsschnitt und seinem blonden Haar ebenso vorzeigbar wie verführerisch aus. Also geleitete sie ihn mit festen Schritten durch die engen Gassen und über die kleinen Plätze und zeigte ihm so bedeutende Sehenswürdigkeiten wie die schief stehende Kirche San Stefano und den Laden, in dem sie ihre Handschuhe zu kaufen pflegte, und dann, etwas weiter, die Kirche San Salvatore, in der, wie die Contessa meinte, eine Königin von Cypern begraben lag.
Dahinter lag der Campo San Bartolomeo, ein offenes Rechteck, eingefasst von Cafes und Bars, wo Geschäftsleute in dunklen Anzügen und schicken Hüten miteinander diskutierten und feilschten, wobei sie gestikulierten und kleine Tassen rabenschwarzen Kaffees tranken. Toby konnte sich gar nicht vorstellen, welche Art von Geschäften man in Venedig außer im Hotelgewerbe oder mit Pizzabäckereien tätigen konnte. Er fragte die Contessa, aber die gestand ihre völlige Unwissenheit in Sachen »Handel und Gewerbe«, wie sie es nannte, und auch völliges Desinteresse daran. Ihre Geringschätzung des Geldverdienens ließ Toby etwas in Sorge über seinen eigenen Rang in ihrer Wertschätzung geraten. Andererseits hätte sie ihm sicher niemals von ihrer Lustbarkeit auf der Brücke erzählt, wenn sie ihn nur als simplen »Händler« betrachtet hätte. Vielleicht sah sie im Antiquitätenhandel einen wirklichen Beruf, vielleicht sogar einen Zweig der Bildenden Künste und nicht ein Gewerbe. Man hatte ihn gelehrt, in all seinen Verhandlungen mit reichen und von sich eingenommenen Eignern begehrenswerter alter Stücke genau diesen Eindruck zu erwecken. Direkt hinter dem Platz wandten sie sich nun nach links, und da waren der Canal Grande und die Stufen der Rialto-Brücke mit ihrer Doppelreihe kleiner Juweliergeschäfte und Schnick-Schnackläden für Touristen. Ganz oben auf dem Buckel legte Marina dann ihre Hand auf Tobys Arm und blieb stehen, und ihm von ihren nächtlichen Freuden zu erzählen, als machte dieses Erlebnis den Ort zu einer wirklichen Touristenattraktion! Und als sie weitergingen, die andere Hälfte der Brücke wieder hinab, blieb ihre Hand leicht auf seinem Arm liegen - nicht so aufdringlich wie beim Arm-in-Arm-Gehen, sondern wie in einer Geste aus einer früheren, förmlicheren Epoche.
Dennoch veranlasste diese Berührung Toby, sich zu fragen, ob die Contessa Marina vielleicht einen ersten zarten Annäherungsversuch machte. War es möglich, dass sie erwartete, er sei nun so entflammt von ihrer Liebesgeschichte, dass er sie in die nächste geeignete Toreinfahrt drängen würde, um sie an die Wand gelehnt zu nehmen? Der Gedanke erschien ihm lächerlich. Sie war alt genug, seine Mutter zu sein! Und doch lag da, als er den Kopf wandte, um ihr höflich zuzulächeln, ein Glanz in ihren Augen, der ihm einen kleinen Schauer über den Rücken jagte. Als sie die grandiose Brücke zum rechten Ufer hin verließen, sah Toby überrascht, dass sie auf dem Obstmarkt waren einer engen Straße mit Ständen zu beiden Seiten, die kaum Raum zum Vorübergehen freiließen. Die Farben und Formen der hoch aufgetürmten Früchte waren herrlich anzusehen: es gab gelbschalige Melonen, leuchtendrote Kirschen, glänzende Orangen, grüne Feigen und pastellfarbene Pfirsiche mit einem zarten Spalt wie der eines jungen Mädchens - aber Toby wusste das italienische Wort dafür nicht, weshalb er den Gedanken nicht aussprach.
Die Contessa nahm ihr Fremdenführer Geplauder wieder auf, als sie ihn nach links und rechts durch die kopfsteingepflasterten kleinen Straßen führte. Im Vorübergehen zeigte sie ihm die Kirche San Atonal, aber dann schien sie mit einem Thema schwanger zu gehen, das sehr viel weniger heilig war. Unter Zögern und mit einem glucksenden Lachen, das köstliche Verderbtheit andeutete, erzählte sie Toby, dass ihre gute Freundin Zita, mit der sie den Lunch einnehmen würden, eine gewisse Reputation habe, wobei sie ihn in den Arm kniff, um anzudeuten, was das heißen sollte. »Sie ist eine Dame, die die Gesellschaft von Männern sucht?« fragte Toby, der sich insgeheim Sorgen über Contessa Marinas Erwartungen an ihn zu machen begann. Ihm wurde langsam ein wenig heiß unter dem Kragen, denn Mittag war vorbei und die Sonne hatte ihren höchsten Stand erreicht. Toby trug einen dem Anlass gemäßen leichten Sommeranzug aus cremefarbenem Leinen, den er sich für diese Reise gekauft hatte, dazu ein reinweißes Hemd aus der Jermyn Street, eine gestreifte Krawatte und einen flotten Panamahut aber vielleicht war es doch eher die Wärme der Konversation der Contessa, die ihm das Blut aufheizte.
»Zitas Ehemänner haben sie schwer enttäuscht, wissen Sie«, fuhr diese jetzt fort. »Der erste war viel zu alt, um ein junges Mädchen zu erfreuen, und der zweite hat sich erschossen. Der dritte war Prinz Iwan von Bulgarien. Er war jung und stark genug, erwies sich aber als grausames Monster und schlug sie mit der Peitsche. Er wurde während des Kriegs von einer Schar wütender Bauern getötet, woraufhin sie nach Venedig zurückkam, um sich für die verlorene Zeit zu entschädigen.« »Er schlug sie mit der Peitsche? Aber doch das nicht!« sagte Toby. »Ich versichere Ihnen, dass es so war. Jeden Abend riss er ihr die Kleider vom Leib, band sie stehend an den Bettpfosten, die Arme über dem Kopf, und schlug sie mit einer Reitgerte.« »Großer Gott!« »Sie zu schlagen erregte ihn, wissen Sie, und wenn sie lange genug geschrien und geschluchzt hatte, war er so in Erregung geraten, dass er die Peitsche fortwarf und sie vergewaltigte. Und das auf ganz unnatürliche Weise, wenn Sie mich recht verstehen.« »Und er war ein Prinz, sagten Sie?« »Von blaustem Geblüt, mit Vorfahren, die bis auf Todor den Schinder zurückgehen, jenem Heerführer, der im 13. Jahrhundert im Kampf gegen die Türken fiel. Sie müssten in Ihren Geschichtsbüchern in der Schule über ihn gelesen haben.« »Nicht, dass ich wüsste, aber es klingt, als wäre die ganze Familie unerfreulich gewesen.« »Ich bin noch nie mit der Peitsche geschlagen worden«, sagte die Contessa ernst, und ihre Hand drückte Tobys Arm. »Orlando hat mich einmal ans Bett gebunden und auf den Po geschlagen - das gefiel mir, obwohl es nicht lange dauerte. Wir wurden beide so schnell erregt, dass er sich nicht zurückhalten konnte, sondern auf mich sprang und mich glücklich machte. Haben Sie jemals eine Frau mit der Peitsche geschlagen, Mr. Jervis - nein, ich kann Sie nicht länger so anreden, während wir uns unsere größten Geheimnisse erzählen, nicht wahr? Darf ich Sie Toby nennen?« »Natürlich«, sagte er sofort, erfreut über dieses Zeichen wachsenden Vertrauens, das sicher zu gegebener Zeit seinen Plänen förderlich sein würde. »Und Sie müssen mich Marina nennen«, sagte sie und schenkte ihm ein gnädiges Lächeln. »Ich lag, mit dem Gesicht nach unten, auf dem Bett, und Orlando hat mir mit den Fesseln die Beine gespreizt - meine eigenen Strümpfe hat er dazu benutzt und sie völlig ruiniert!« »Eine faszinierende Szene muss das gewesen sein!« sagte Toby. »Eine liebe Erinnerung«, stimmte sie sofort zu, »aber Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet, Toby. Haben Sie jemals eine nackte Frau mit der Peitsche geschlagen?« »Aber nein - ich schätze, nur wenige Männer haben das, jedenfalls in den zivilisierten Ländern.« »Man kann auch zu zivilisiert sein, mein lieber Toby. Was als Rücksicht und Zurückhaltung beginnt, kann zu Schwäche und Fadheit werden, und diesen Zug finde ich an Männern verabscheuungswürdig.« Ihre Entschiedenheit ließ Toby keinen Zweifel darüber, dass sich die Contessa Marina mit ihren vierzig Jahren nach wie vor Hoffnungen machte, eines Tages von einem wagemutigen Helden erobert zu werden. Bei aller Fairness betrachtete Toby sich keinen Augenblick lang als Kandidaten für eine solche Szene, obwohl es ihm andererseits schmeichelte, dass Marina seine Phantasie in diese Richtung lenkte. Es war ihm wichtig, dass sie ihm wohl gesonnen blieb. Nicht dass er jemals die Möglichkeit erwogen hätte, ihr zu Gefallen zu sein, um sich ihres Wohlwollens zu versichern. Aber ihre freimütige Erzählung von Orlandos Heldentaten war gewiss ein Hinweis darauf, was erwartet wurde. Gott sei Dank brauchte er sich im Moment keine weiteren Gedanken darüber zu machen, denn sie hatte ihn durch ein Gewirr enger Gassen und alter Häuser geführt, bis sie den kleinen Platz erreicht hatten, an dem das Haus ihrer Freundin lag.
Fortsetzung
Der Bedienstete an der Tür verneigte sich tief vor der Contessa Marina. Nichts von alldem, was diese erzählt hatte, hatte Toby auf das vorbereitet, was er nun sah, die ganze eine Seite des Platzes wurde von einem vierstöckigen Palast aus Ziegeln beherrscht, welche die Jahrhunderte zu einem staubigen Rosa hatten verwittern lassen. Die Fenster waren hoch und schmal und liefen wie in englischen Kirchen nach oben spitz zu, und die Balkone bestanden aus verschlungenem Mauerzierwerk. Unter einem in Stein gemeißelten Wappen an der Wand befand sich eine riesige doppelflügellige Tür aus dunklem Holz, deren eine Hälfte einladend geöffnet war. »Buon giorno, Tonino«, sagte die Contessa anerkennend, als sie und Toby an dem sich verbeugenden Diener vorüber in die steingepflasterte Eingangshalle schritten. Ein weiterer Diener in schwarzem Gehrock erwartete sie, um sie eine breite Marmortreppe hinauf und in einen großen, luftigen Salon zu geleiten, wo neun oder zehn Personen, einen Drink in der Hand, mit lauter Stimme plauderten. »Marina, carissima!« kreischte eine Stimme. »Ciao, Zita cara!« rief die Contessa zurück, und die Gastgeberin löste sich aus der Gruppe und kam herbei, um die Neuankömmlinge zu begrüßen. Sie und die Contessa küssten einander ausgiebig auf beide Wangen und wechselten passende Worte auf italienisch, bevor die Contessa Toby der Prinzessin vorstellte. Er hielt es für vernünftig und der Situation angemessen, die juwelengeschmückte Hand zu küssen, die sie ihm entgegenstreckte. Man lunchte nicht jeden Tag mit einer Prinzessin, selbst wenn sie eine alte Vettel war. Sie war älter als Marina - Mitte Fünfzig, schätzte er, aber gut geschnürt und gewappnet gegen die Verfallsspuren der Zeit. Ihr Busen ragte unter ihrem modischen kirschroten Kleid hervor wie ein Balkon; Po und Bauch waren stramm verpackt. Ihre Fingernägel und ihr Mund leuchteten blutrot, und die Augenbrauen waren zu einer so feinen Linie gezupft, dass sie kaum vorhanden zu sein schienen. Aber der Blickfang war ihr Haar, sie trug es hoch aufgetürmt und hatte es in einem leuchtenden venezianischen Rot gefärbt. Ihr Englisch war passabel, fand Toby, und sie plauderte über nichts Bestimmtes, während ein Bediensteter ihm ein Glas kühlen, perlenden Weins brachte. Es dauerte nicht lange, bis sich ein sehr junger, gutaussehender Mann im weißen Seidenanzug und mit einer schweren goldenen Armbanduhr zu ihnen gesellte. Prinzessin Zita sagte in besitzergreifendem Ton, sein Name sei Marcello, und Toby versuchte, ihm die Hand zu geben, aber ihm wurde nur ein Nicken zuteil, seine ausgestreckte Hand wurde ignoriert. Nach einer peinlichen Pause ließ er sie sinken und fragte sich, ob Marcello vielleicht eine so gehobene Stellung innehatte, dass es ungebührlich war, ihn zu berühren. In Wahrheit war Marcello ein mürrisch aussehender junger Bursche, ein oder zwei Jahre jünger als Toby, etwa einundzwanzig oder zweiundzwanzig. Eine gewisse Sinnlichkeit umgab ihn wie ein Parfüm, aber trotz seiner Erscheinung und Präsenz hatte er nicht die Ausstrahlung eines Mannes von fürstlichem Geblüt. Seine dunkelblauen Augen hatten schwere Lider das, was man gemeinhin Schlafzimmeraugen nennt, und seine Lippen waren ein bisschen zu voll und ein bisschen zu rot. Toby kam der Gedanke, dass Marcello vielleicht ein wenig seltsam war.
Wenn Marcello überhaupt Englisch verstand, so verbarg er das sehr gut; er stand da und sah gelangweilt drein, während Zita sich mit Toby unterhielt. Sie bemerkte seine Stimmung, worauf sie ihn in die Wange kniff und sich in einem gurrenden Italienisch an ihn wandte. Marina lächelte zu diesen Worten, und Marcello bedachte sie mit einem finsteren Blick, was Toby vermuten ließ, dass die Prinzessin ihren hübschen jungen Freund gerüffelt hatte. Bald darauf hakte Zita Marcello unter und führte ihn fort ins Gewühl der Gäste. »Ihr Enkel?« fragte Toby Marina, die umgehend in schrilles Gelächter ausbrach und ihm erklärte, dass Marcello Zitas ragazzo war. »Ihr was?« fragte er und wollte wissen, ob das bedeutete, was er dachte. »Wissen Sie, man könnte sagen, er ist ihr boyfriend. Sie hält ihn aus und gibt ihm Geld und Geschenke, und er entlohnt sie für ihre Freundlichkeit im Bett. Darin ist er sehr gut, sagt sie. Aber er ist sehr eifersüchtig und wachsam, wenn er sie mit jemandem sprechen sieht, der so gut aussieht wie Sie. Er will seinen Platz an ihrer Seite nicht verlieren.« »Und wenn das geschähe, wovon würde er leben? Was war er, als die Prinzessin ihn entdeckte?« »Ich glaube, er war ein relegierter Student der Rechte. Irgendeine Art kleinerer Skandal hing ihm an. Wenn Zita ihm jemals sagt, er soll seine Koffer packen, dann weiß ich nicht, was er machen wird er könnte im Hotel Danieli herumhängen oder im Gritti, nehme ich an, um reiche amerikanische Witwen aufzulesen, die sich amüsieren wollen. Aber das tun schon genug andere gutaussehende Jungs; die Konkurrenz wäre hart.«
In den nächsten zwanzig Minuten führte Marina Toby im Raum umher, um ihn den anderen vorzustellen. Es waren vierzehn Gäste zum Lunch da, mehr Damen als Herren. Erstere waren mit ein oder zwei Ausnahmen in Zitas Alter alle sehr modisch und kostspielig gekleidet, und sie klammerten sich an alles, was ihnen die Jahre an Schönheit noch nicht genommen hatten. Die Herren waren viel jünger, aber er sah keinen, der so jung war wie Marcello. Zitas ragazzo war offensichtlich der Favorit aller anwesenden Damen, und er spreizte sich wie ein Pfau, sobald ihn eine von ihnen ansprach. Ein Name blieb Toby im Gedächtnis haften. Es war der einer der jüngeren unter den anwesenden Damen, Anna-Louisa Ziani, der Tochter von Prinzessin Zita. Sie war Anfang Dreißig und in ein auffälliges Seidenkleid mit schwarzweißem Zickzack-Ornament gekleidet. Sie hatte weiches dunkles Haar, Ergebnis regelmäßigen Bürstens durch ihr Hausmädchen, aber es fiel auf, dass sie ein irgendwie ausdrucksloses Gesicht hatte und nicht sehr groß, aber untersetzt war, mit einem kräftig entwickelten Busen und breiten Hüften. Toby versuchte sich zu erinnern, welcher von Zitas Ehemännern sie gezeugt hatte. Sicher nicht der Bulgare, der Zita mit der Peitsche bearbeitet hatte: entweder war es der Mailänder Bankier, der an Überanstrengung gestorben war, oder der deutsche Gutsherr, der sich eine Kugel in den Kopf gejagt hatte. Aber Toby hatte nur oberflächlich zugehört, als Marina von den traurigen Eheerfahrungen ihrer Freundin erzählt hatte, und konnte sich nicht an alles genau erinnern.
Der Raum, in dem sie sich befanden, war in Rot, Gold und Braun dekoriert. Mit professionellem Blick bemerkte Toby, dass er eine Fundgrube an Gemälden und kleinen Skulpturen war. Ein Jammer, dachte er, dass so kostbare Kunst den wogenden Wolken von Zigarettenqualm der Gäste ausgesetzt war. Prinzessin Zita hatte offenbar nun, da sie zum dritten Mal Witwe war, von ihren Ehemännern genug Geld bekommen, um leben zu können, wie es ihr gefiel. Ihre Tochter glich ihr nicht, abgesehen von einer allgemeinen Ähnlichkeit der Adlernase und des Kinnbogens. Als sie sich ins Speisezimmer begaben, stellte Toby fest, dass er ziemlich weit unten an der Tafel platziert war, zwischen Anna-Louisa zu seiner Rechten und einer dünnen Frau mit blondiertem Haar zu seiner Linken. Zahlreiche Diäten hatten die blonde Frau fast bis zum Stadium der Auszehrung abmagern lassen - sie hatte fast keinen Busen unter ihrem Kleid, und Toby konnte sich nicht an ihren Namen erinnern, obgleich sie eine Contessa war. Sie sei Amerikanerin, aus Pittsburgh, Pennsylvania, erzählte sie ihm, und er vermutete, dass ihr Vater ihr mit guten alten Dollars einen blaublütigen, aber mit Armut geschlagenen Ehemann gekauft hatte. Kohlengruben und Eisenhütten bildeten die Basis des Reichtums von Pittsburgh, wie Toby sich aus dem Geographieunterricht in der Schule erinnerte, aber er wusste auch, dass sogar in England die Neureichen nach spätestens zwei Generationen vom alten Geldadel akzeptiert wurden. Der alte englische Geldadel stammte meist von scharfsichtigen Spekulanten ab, die bei der raschen städtischen Entwicklung Londons im 18. Jahrhundert ein Vermögen verdient und sich dann Titel gekauft hatten. Einige wenige waren Nachfahren scharfsichtiger Damen, die im 17. Jahrhundert für den fröhlichen Monarchen oder seinen Bruder James die Beine breit gemacht hatten. Da die menschliche Natur überall weitgehend gleich ist, dürfte die Geschichte der italienischen Aristokratie ähnlich verlaufen sein, dachte Toby. Das Essen war köstlich, die Weine ausgezeichnet, beide wurden in verschwenderischen Mengen serviert, und Toby unterhielt sich prächtig. Anna-Louisa sprach ziemlich gut Englisch, und als er sich erkundigte, wo sie es gelernt hatte, sagte sie, sie sei in Zürich, London, Paris, Lissabon und Rom zur Schule gegangen, woraus er schloss, dass ihr Vater der traurige Deutsche gewesen sein musste, der sich erschossen hatte. »Habe ich recht gehört, dass Sie bei Marina im Palazzo Malvolio wohnen?« fragte die in Amerika geborene Contessa zu seiner Linken. Sie hatte Toby schon aufgefordert, sie doch Sally zu nennen. »Ja und nein«, sagte er. »Was meinen Sie mit ja und nein?« fragte sie und nippte an ihrem gut gekühlten weißen Soave, während sie mit ihrer Gabel in den Krebsen stocherte. »Ja oder nein?« »Ja, ich wohne im Palazzo Malvolio, aber nein, nicht als Gast der Contessa Marina. Ich wurde von Mrs. Tandy eingeladen.« Es entstand eine Pause, in deren Verlauf Contessa Sally ernsthaft über seine Worte nachzudenken schien. Toby fragte sich, ob sie wohl ein wenig taub war oder sogar ein bisschen versponnen. »Die liebe Delphine - sie ist eine meiner engsten Freundinnen«, sagte Sally, aber es klang keinesfalls so, als wäre sie sich da sicher. »Ihr Leben war so romantisch wie ein Rudolph-Valentino-Film. Aber es ist nicht gut ausgegangen.« »Wirklich?« sagte Toby höflich. »Sie hat ein wunderschönes Zuhause.« »Es fällt ihr über dem Kopf zusammen«, erklärte Sally. »Sie würde ein Vermögen ausgeben müssen, um es in Ordnung zu bringen. Und das hat sie nicht. Ich schätze, der Märchenprinz hat sich am Ende doch als Frosch erwiesen.« »Er war der Letzte der Malvolios?« fragte Toby, der einige Nachforschungen über Mrs. Tandy angestellt hatte, bevor er aus London aufgebrochen war. »So ist es Rinaldo Malvolio. Vor dem Weltkrieg war er für einige Zeit an der Botschaft in London und lernte dort Delphine kennen. Sie war mit einem eurer britischen Honoratioren verheiratet und langweilte sich sehr, schätze ich. Sie und Rinaldo verliebten sich wie im Märchen und brannten zusammen durch. Sie lebten hier in Venedig, bis er im Krieg getötet wurde. Rinaldo war hier so etwas wie ein Nationalheld. Er hinterließ ihr seinen gesamten Besitz, aber das war eben nur noch der Palast mit dem ganzen Zeug darin und das, was noch an Malvolio Geldern übrig war - nicht sehr viel, weil sein Vater das meiste davon in Monte Carlo im Casino verspielt und den Rest bei den Frauen in Paris gelassen hatte.« »Mein lebenslanges Ziel ist es auch, ein reicher Playboy zu sein, der mit Geld für Frivolitäten und schöne Frauen um sich wirft«, sagte Toby, »aber ich muss mir meinen Lebensunterhalt mit Arbeit verdienen.« »Müssen Sie?« fragte Sally und hob erstaunt ihre schmalen Augenbrauen, als sei der Gedanke, auf gesellschaftlicher Ebene einem Menschen zu begegnen, der arbeitete, neu und nicht gerade erfreulich für sie. »Was machen Sie denn?« »Ich bin bei Fitzroy Dalrymple, den Londoner Antiquitätenhändlern«, sagte er. »Mein Vater ist einer der Direktoren und hat mich nach meinem Schulabschluss in die Firma aufgenommen.« »Ich habe von der Firma gehört«, gab Sally nach einer ihrer langen Pausen zu. »Tatsächlich, jetzt erinnere ich mich, mein Mann hat mal einiges an hässlichem Zeug dort hingeschickt, als ich den Palast umgestaltet habe. Was also machen Sie in Venedig - kaufen oder verkaufen?«
Toby wurde der Peinlichkeit enthoben, ihrer Frage auszuweichen, weil es eine Ablenkung am oberen Ende des Tischs gab, wo, mit Marcello an ihrer Seite, die herausgeputzte tizianhaarige Prinzessin Zita saß. Sie war ihm halb zugewandt und fütterte ihn mit Häppchen von ihrem eigenen Teller, als wäre er ein verzärtelter Schoßhund. Ihre andere Hand befand sich außer Sicht unter dem Tisch, aber vom Winkel ihres Arms her schien es Toby, als betastete sie ihren jungen Freund zwischen den Beinen, während sie ihn fütterte. Vermutlich war er an diese Behandlung gewöhnt, aber irgend etwas war nicht in Ordnung, denn als Zita jetzt wieder eine Gabel voll Krebs mit Sahne an seine geschürzten roten Lippen führte, schlug er ihr rüde die Hand weg und rief: »Basta!« Die Gäste sahen betreten beiseite, als Marcello einen vorwurfsvollen Protest in zornigem Italienisch losließ. Zita beschwichtigte ihn, indem sie die Gabel auf seinen Teller legte und sein Gesicht mit der sichtbaren Hand streichelte. Möglicherweise tat sie weiter unten mit der anderen Hand das gleiche. Die anderen Gäste mochten höflich wegschauen, aber nicht so Toby in seiner Neugier konnte er es sich nicht verkneifen, diese kleine Vorstellung zu beobachten. »Worum ging es denn?« fragte er Sally, als Marcello sich wieder beruhigt hatte und an dem Glas Wein nippte, das Zita ihm hinhielt. Aber die amerikanische Contessa tat, als hörte sie nicht, und sprach mit dem Gast auf ihrer anderen Seite. Toby befürchtete schon, eine Dummheit begangen zu haben, indem er auf den kleinen Zornesausbruch und infolgedessen auch auf die Beziehung zwischen der Prinzessin und ihrem Schoßhund anspielte. Aber da wurde seine Frage unerwartet von rechts beantwortet von Zitas Tochter. »Marcello hat sich darüber beklagt, dass meine Mutter ihn immer so mästet«, sagte Anna-Louisa, und ihre Stimme verriet weder Verlegenheit oder Missbilligung noch Zustimmung, »weil sie ihn, wenn er erst einmal dick geworden ist, nicht mehr mögen wird.« »Ich nehme an, da hat er recht«, sagte Toby nachdenklich und starrte über die Tafel dorthin, wo Marcello jetzt schnurrend saß und mit halbgeschlossenen Augen die Wange an der juwelengeschmückten Hand rieb, die ihn streichelte. »Ist er schon lange mit der Prinzessin befreundet?« »Es sind jetzt sieben oder acht Monate. Er ist nicht sehr zufriedenstellend, denn er hat ein kindliches Temperament, aber meine Mama hat ihn sehr gern und vergibt ihm. Eines Tages wird er zu weit gehen, und sie wird die Diener anweisen, ihn hinauszuwerfen.« »Ja, ich kann nachvollziehen, dass er hier ein bisschen aus dem Rahmen fällt«, sagte Toby, der sich wunderte, dass sich jemand in Prinzessin Zitas Position überhaupt solche Frechheiten von einem ausgehaltenen Liebhaber gefallen ließ.
»Und Sie, Signor Jervis?« sagte Anna-Louisa mit einem freundlichen Lächeln. »Wie lange sind Sie schon mit Contessa Marina zusammen?« Toby warf einen Blick nach rechts über den Tisch, wo Marina fröhlich mit ihrem Nachbarn plauderte, einem schlanken Mann mit olivfarbenem Teint und schwarzem Haar, das mit Brillantine dicht an den Kopf frisiert war. Er wollte schon sagen, er sei erst vor zwei Tagen in Venedig angekommen, als ihm die Anspielung in Anna-Louisas Frage auffiel. Er fühlte, wie er puterrot wurde bei dieser Gleichsetzung mit Marcello. »Sehen Sie! Das muss ein Missverständnis sein«, sagte er. »Ich verkehre nicht auf diese Art mit der Contessa und übrigens auch nicht mit irgendjemandem sonst.« »Ah, jetzt habe ich Sie verärgert!« sagte Anna-Louisa, die sein Unbehagen zu genießen schien, sicherlich, weil er so unbesonnen gewesen war, über die privaten Arrangements ihrer Mutter zu sprechen. »Aber es gibt keinen Grund, sich zu schämen wir, die wir Marinas Freunde sind, wissen, dass sie zu jedem gutaussehenden jungen Mann, der im Palazzo Malvolio zu Gast ist, eine enge Beziehung entwickelt. Warum auch nicht? Ihr Ehemann, der Graf, hat sie vor ein paar Jahren verlassen und lebt in Rom.« »Das tut mir aber leid«, sagte Toby und meinte es auch so. Nun war ihm der Zweck von Marinas Bekenntnissen auf der Rialto-Brücke gänzlich klar es waren Eröffnungen, ganz wie er vermutet hatte. Zufällig fiel sein Blick auf Anna-Louisas Hand, an der sie einen breiten goldenen Ehering trug. Sie sah, wohin er schaute, und beantwortete die Frage, die zu stellen er gar nicht beabsichtigt hatte. »Nein, mein Ehemann hat mich nicht verlassen, Signor Jervis«, informierte sie ihn lächelnd, »er ist in Indien auf der Tigerjagd.« »Erlegt er viele?« fragte Toby. »Ja, auch Leoparden im Kongo und Löwen in Kenia, dazu Wildschweine in Polen, und er fährt auch nach Südamerika wegen der ... wie nennt man die Großkatzen dort?« »Puma, glaube ich. Er muss ja viele Trophäen besitzen, wenn er so ein kühner Großwildjäger ist.« »Ja, viele«, sagte Anna-Louisa, »einen ganzen Raum voll. Jagen Sie auch? Vielleicht Füchse?« »In England jagen wir nur Vögel, Fasanen und Moorhühner.« »Dann sind Sie auch ein Jäger. Nach dem Essen müssen Sie sich unbedingt das Trophäenzimmer ansehen.«
Es ging auf drei Uhr zu, als der Lunch beendet war, und trotzdem verließen einige Gäste den Tisch noch nicht. Sie setzten sich wieder, nachdem Zita mit Marcello gegangen war, und sammelten sich in einer kleinen Gruppe an einem Ende der Tafel, um weiter zu plaudern, solange die aufmerksamen Diener noch die Gläser nachfüllten. Einige wenige verabschiedeten sich und gingen, andere schlenderten fort in andere Teile des Palastes, um sich dies und jenes anzuschauen. Contessa Marina gehörte zu denen, die noch an der Tafel saßen. Ihre Wangen glühten, während sie sich gestenreich mit ihrem Nachbarn unterhielt. »Kommen Sie«, sagte Anna-Louisa, »ich werde Ihnen zeigen, wie gut mein Mann mit dem Gewehr umgehen kann. Wir werden zurück sein, bevor Marina bereit ist aufzubrechen, und dann werde ich Sie in einem unserer Boote zurück zum Palazzo Malvolio bringen lassen.«
Das Trophäenzimmer befand sich unten im Parterre, und es war der wohleingerichtete Arbeitsraum eines Mannes. Es gab einen großen Schreibtisch aus dunklem Holz, ein halbes Dutzend rot gepolsterter Stühle und ein dazu passendes Sofa. Auf dem glänzenden Parkett stand ein Globus mit einem Durchmesser von fast einem Meter. Ringsum an den Wänden hingen die Beweise von Marco Zianis sportlichen Fähigkeiten, die ausgestopften Köpfe wilder Tiere. Voller Verwunderung starrte Toby auf einen verschwenderischen Überfluss an Löwen, Tigern, Leoparden, Pumas, Luchsen, Panthern, indischen Leoparden und Jaguaren. Signor Ziani hegte offensichtlich einen Groll gegen Katzen. Gewiss, es waren auch zwei oder drei spitznasige Rhinozerosse ausgestellt, ein Dutzend wilder Bären und Langhornbüffel, aber diese waren kaum mehr als eine späte Rechtfertigung, und in Tobys Gedanken nahm die lächerliche Frage Gestalt an, ob Ziani, wenn er nicht gerade auf Safari war, des Nachts mit einem Revolver den Katzen in den Gassen von Venedig nachstellte.
»Nun, wie finden Sie das?« fragte Anna-Louisa, und etwas in ihrem Ton veranlasste Toby, seine Betrachtung der Trophäen aufzugeben und sich nach ihr umzuwenden. Sie stand an den großen Schreibtisch gelehnt, ihr Busen ruhte halb darauf, und sie hielt den Rock ihres modischen schwarzweißen Seidenkleids hoch. Die halb entblößten Hüften waren kräftig und füllig, sah Toby, und angenehm nackt über den Strumpfrändern, die von roten Strapsen gehalten wurden. »Bewundernswert«, sagte Toby und sah von ihren Beinen zu ihren Augen auf, eine behutsame Reaktion auf diese plötzliche und sehr unerwartete Enthüllung. Anna-Louisa schien dieses Kompliment unbesehen zu akzeptieren und hob ihren Rock noch höher, um einen Schlüpfer aus weißer Spitze zu enthüllen, durch den er ihr dunkles Haar sehen konnte. »Wie gut sind Sie mit dem Gewehr?« fragte sie. »Mit der Schrotflinte bin ich ziemlich geschickt«, antwortete er, überwältigt von dem, was sie ihm da zeigte. »Mit der Schrotflinte«, wiederholte sie, »ich glaube, das mag ich ein kräftiger Stoß, der alles umlegt. Ist es eine doppelläufige?« »Benutze nie was anderes«, sagte er grinsend. Er spürte, wie sein cazzo in der Hose steif und lang wurde. Sie würde doch sicher nicht von ihm erwarten, dass er mit ihr unter solch riskanten Umständen Liebe machte, da jederzeit ein umherspazierender Gast die Tür öffnen konnte. Doch Anna-Louisa hob mit einer Hand ihren Rock bis zur Hüfte, während sie mit der anderen ihren Schlüpfer über die Schenkel hinab zog, um einen dichten Busch dunkelbrauner Locken zu entblößen. »Also so was!« murmelte Toby. Und das war auch kein Wunder, denn die Situation entsprach ganz und gar nicht dem, was er kannte. Obwohl seine Männlichkeit aufrecht stand, kam es ihm doch etwas komisch vor, dass ihm eine Frau von Rang so einfach ihre Möse zeigte. Wenigstens hatte das einen Vorteil: Es war unmissverständlich es hatte gar keinen Zweck, weiterhin so zu tun, als hätte sie ihn nur deshalb hierher gebracht, um ihm die Jagdtrophäen zu zeigen.
Sie hatte einen ganz anderen Sport im Sinn, und Toby war erstaunt über ihre beiläufig zur Schau gestellte Sicherheit, dass er sie umgehend beglücken würde Hut ab und los, oder besser: Slip weg und los. Aber dann erinnerte er sich daran, dass sie Zitas Tochter war. Das erklärte gewiss einiges. Eine Mutter zu haben, die mit ihrem ragazzo beim Lunch unter dem Tisch herumspielte, musste ja zu einer laxen Einstellung zu allen Konventionen führen. Und um die Wahrheit zu sagen, obwohl Anna-Louisa um zehn Jahre und zwanzig Pfund avoir dupoids über Tobys Ideal für sexuelle Freuden lag, hatte er nicht die Absicht, eine solche Gelegenheit verstreichen zu lassen. Sich nach dem Lunch mit der Tochter einer Prinzessin zu vergnügen, und das in einem venezianischen Palast schon die männliche Eitelkeit verlangte, dass er es tat! Und die beträchtliche Menge hervorragenden Weins, den er zum Lunch getrunken hatte, hatte ihn ohnehin in gehobene Stimmung versetzt. In der Absicht, Anna-Louisas Hand zu ergreifen und sie auf das rote Sofa zu ziehen, näherte er sich ihr. Aber sie ergriff einfach die seine und sagte, er solle sich neben sie auf den Schreibtisch setzen. Währenddessen zog sie ihren Schlüpfer vollends aus. Sie baute sich mit gespreizten Beinen vor seinen Knien auf, und sofort legte er die Hand zwischen ihre offenen Schenkel und befühlte sie. »Wie nennen Sie das in Ihrer Sprache?« fragte er sie, während seine Finger die prallen, fleischigen Lippen erforschten. »Meine fica«, und ihre Hände knöpften erst das Jackett seines cremefarbenen Leinenanzugs und dann die Hose auf. Sie tastete hinein, um seinen steifen cazzo zu ergreifen und ihn herauszuziehen, so dass sie einen bewundernden Blick darauf werfen konnte. »Doppelläufig, das gefällt mir!« sagte sie, während ihre Hand rasch an ihm auf und ab glitt. »Ah«, seufzte sie, als seine Finger in ihrer warmen Spalte zu spielen begannen. »Er steht, lang und hart«, sagte sie und legte ihm das Kinn auf die Schulter, »molto bene. Sie zeigen mir, was Sie mit Marina machen, ja?« Er war durch ihre Massage schon zu voller Größe aufgerichtet, und als sie damit fortfuhr, begann er an ihrem Ohr schwer zu atmen. »Sie irren sich«, murmelte er, »ich habe gar nichts mit Marina getan, überhaupt nichts, das versichere ich Ihnen.« »Aber Sie werden es noch!« sagte sie mit einem glucksenden Lachen. »Wenn Sie die Wahrheit gesagt haben, und sie seit zwei Nächten hat allein schlafen lassen, wie Sie sagen, dann gibt es dafür einen Grund. Aber Sie werden nicht mehr lange in Ihrem Bett allein sein, wie ich Marina kenne.« »Sie scheinen viel über sie zu wissen.«
»Alles, wir sind sehr gute Freundinnen. Und diesmal habe ich das Vergnügen, einen ihrer ragazzi vor ihr zu haben.« Toby zitterte vor Erregung, während sie mit kräftiger Hand seinen Steifen rieb und er fragte sich, wie sie in einer so wenig versprechenden Stellung Liebe machen sollten. Aber das Problem wurde ganz einfach gelöst Anna-Louisa schob ihn zurück, bis er auf dem Schreibtisch lag und seine Beine an der Seite herabbaumelten. Er starrte an sich hinunter und sah, wie sein bockender cazzo von einer Hand gehalten und gezügelt wurde, an der ein Vermögen an kostbaren Edelsteinen funkelte. Er dachte, sie würde nun auf den Schreibtisch klettern und sich über ihn knien. Andere Länder, andere Sitten, dachte er, nicht wissend, dass es auch schon zwischen Rom und Venedig viele Unterschiede in Stil und Stellung gab, und erst tat sie auch, was er erwartete, und kletterte auf bestrumpften Knien auf den Schreibtisch. Was dann geschah erstaunte ihn wie nichts je zuvor. Sie kniete sich nicht über seine Lenden, sondern rittlings über seinen Kopf und raffte ihr Seidenkleid bis an die Taille. Erschrocken und ungläubig starrte er von ganz nah auf ihre behaarte Spalte und dann, noch bevor er ganz begriff, worauf sie aus war, ließ sie sich langsam nieder, bis ihre fleischige fica auf seinem Mund lag. Bis dahin hatte er sich noch niemals auf diese Weise unter einer Frau befunden. Er hatte zwar mehr als eine Freundin zwischen den Beinen geküsst, um sie anzuregen, aber die betreffenden Mädchen lagen dabei auf dem Rücken, die langen, schlanken Beine gespreizt für seine Aufmerksamkeiten und in Erwartung seiner Wünsche. Toby war es gewohnt, oben zu liegen und die Gangart zu bestimmten. Aber Anna-Louisas bloße Schenkel hielten seinen Kopf in einem Griff, der nicht leicht zu lösen war, und sie rieb ihre fica an seinem Mund. Nun, warum nicht? dachte er plötzlich. Ungewohnte Gedanken fuhren ihm blitzartig durch den Kopf. Warum es nicht ausprobieren? Nach einem Augenblick des Zögerns schob er seine Zunge hinein, sofort fand er ihren Knibbel und leckte daran und sofort hörte er sie keuchen, während sie mit wachsendem Nachdruck über seinen Mund glitt.
Plötzlich kam Toby die Erleuchtung, warum er da rücklings unter einer erregten Frau auf dem Schreibtisch lag. Es waren diese verfluchten Trophäen an den Wänden sie hasste es, dass ihr Mann so häufig abwesend war, um wilde Tiere zu töten, und sie dafür vernachlässigte. Sie kompensierte das, indem sie ihre eigenen Trophäen sammelte hier in Zianis Arbeitszimmer, auf seinem Schreibtisch. Wer von beiden, fragte sich Toby, hat wohl mehr, sie oder er? Hatte sie mehr Männer auf diesem Schreibtisch gehabt, als ausgestopfte Köpfe an diesen Wänden hingen? Ob er nun recht hatte oder nicht, Anna-Louisa ließ ihn nicht weiter zum Nachdenken kommen. Offenbar wollte sie etwas Substantielleres in sich fühlen, etwas Dickeres und Härteres, denn plötzlich stieg sie von Tobys Gesicht, legte sich neben ihm auf den Rücken und gab ihm ein Zeichen, sie zu besteigen. Er rappelte sich auf und kniete sich zwischen ihre Beine, wo er fasziniert auf ihre nasse fica starrte. Ihr Kleid lag um ihre Taille und ihre Knie waren angewinkelt und auswärts gespreizt und während Toby stierte, legte sie ihre beringten Hände auf ihre nackten Schenkel über den Strumpfrändern. Ganz beiläufig zog sie ihre Muschel auf und lächelte ihn an, während sie deren feuchtrosa Innenseite enthüllte. Toby stieß ein freudiges Grunzen aus und beugte sich nach vorn über ihren Bauch. Er fühlte, wie sie seinen pochenden Schaft ergriff und ihn einführte. Er stieß tief hinein, glitt mit Vergnügen in ihre warme Nässe und dann kräftig vor und zurück. »Ah, si bravo!« keuchte Anna-Louisa. Sie schob seine Hose halb die Beine hinunter und krallte ihm schmerzhaft ihre lackierten Fingernägel in den Hintern, um ihn anzuspornen, als wäre er ein Pferd, das sie im Galopp ritt! Ich bin kein Pferd, dachte er wild, ich bin ein Rhinozeros draußen im afrikanischen Busch, und ich attackiere dich mit meinem massiven Horn, Anna-Louisa! Soll ich es dir reinrammen und dir den Bauch aufschlitzen oder willst du mich zuvor mit einer Kugel niederstrecken und meinen Kopf zu den Trophäen da an die Wand hängen? Diese seltsame Vorstellung trug ihn in neue Höhen, er stieß sie kräftig und schnell, was rasch Wirkung zeigte. Anna-Louisa zuckte und stöhnte unter ihm, hob ihre Hüften, um seinen Stößen zu begegnen und als sie zum Höhepunkt kam, verströmte sich Toby leidenschaftlich in ihrer fica. »Aie!« kreischte sie. »Ancora, Tobiolo, ancora, ancora. «
In einem heißen, stickigen Raum unter dem Dach des Palazzo Malvolio saß Toby allein auf einer Chaiselongue aus vergoldetem Holz mit einer stark verschlüsselten Polsterung und dachte über das faszinierende Thema weiblicher Hinterteile nach. Es gab zwei Grundformen, überlegte er - aber nein, falsch: es gab drei. Der allgemeinen Gestalt und Größe des weiblichen Körpers entsprechend konnte die Kehrseite so rund sein wie zwei Melonen oder, bei schwererem Körperbau, wie zwei Kürbisse. Aber sie konnte auch birnenförmig sein, was an jungen Frauen elegant aussah, an älteren jedoch zur Schlaffheit neigte. Die dritte, aber sogar bei jungen Mädchen seltene Form war ein Hintern wie eine geschlossene Tulpe. Was diese Gedanken in seinem Kopf in Gang gesetzt hatte, waren die Haufen alter Möbel, die ihn umgaben. Er befand sich in einem Lagerraum, in dem kaputtes Mobiliar aufbewahrt wurde, auf dem Dachboden, den man durch endlose Flure erreichte, die in verblasster Achtzehnter-Jahrhundert-graradezz erstrahlten, aber immer heruntergekommener aussahen, je höher man kam. Zuerst war da der weiße Marmor der großen Freitreppe, die aus der Empfangshalle zumpiano nobile anstieg, in dem der Salon gelegen war. Dann kam eine breite und wunderschöne Holztreppe mit Intarsien, die wiederum aufwärts zu dem Stockwerk mit den Schlafzimmern und Privaträumen führte. Von dort ging eine nicht leicht zu entdeckende Treppe zu den Unterkünften der Diener hinauf. Sie war mit roten Kacheln ausgelegt, von denen viele unter Millionen Schritten im Laufe von 200 Jahren zersprungen waren. Neben den Unterkünften der Bediensteten befand sich ein einziger großer, abgeschlossener Raum, in den die Malvolios seit dem Bau des Palastes kaputte Möbel gelagert hatten.
Warum sie sich nie die Mühe gemacht hatten, sie zu reparieren, erstaunte Toby, aber wer Geld hat, braucht über seine Gewohnheiten keine Rechenschaft abzulegen. Von der sehr erhabenen, verstorbenen Marquise Curzon hieß es, dass sie nie ein Paar Strümpfe zweimal trug. Und die Zarin Katharina von Russland beorderte jede Nacht einen anderen Gardisten in ihr Schlafzimmer. Der Lagerraum war zu etwa drei Vierteln gefüllt mit Stapeln von staubigen Stühlen, aufgerollten Teppichen, Tischen, ein oder zwei Betten, Kommoden und Geschirrschränken, Sammlervitrinen und Bücherregalen. Jedes dieser Stücke war, wenn ordnungsgemäß restauriert, eine Antiquität von großem Wert, und das hatte Toby nach Venedig geführt. Durch Kollegenklatsch hatte seinen Vater der Hinweis erreicht, dass eine Familie verarmter venezianischer Aristokraten einen unglaublichen Vorrat an ausrangierten Möbeln besäße, die womöglich zum Verkauf stünden. Nachdem er sich mit dem Eigner in Verbindung gesetzt hatte, der sich ganz und gar nicht als Venezianer, sondern als eine englische Lady mittleren Alters erwiesen hatte, die den Palast samt Inhalt geerbt hatte, hatte Jervis Senior Toby ausgesandt, um die Möbel zu begutachten und Mrs. Tandy ein maßvolles Angebot zu machen. Die beiden ersten Tage seines Aufenthalts als Gast im Palazzo waren eine Wartezeit, während ein Aufgebot von Dienern sein möglichstes tat, um den Staub der Jahrhunderte von den Möbeln zu entfernen und sie so aufzustellen, dass Toby sich bequem umsehen und eine Bestandsliste anfertigen konnte. Danach würde er sich ein Bild über den erforderlichen Aufwand an Restaurierungsarbeiten machen. Bevor er Mrs. Tandy irgendein Angebot machen konnte, hatte er Weisung, in London anzurufen, seinem Vater seine Einschätzung mitzuteilen und sie sich von ihm bestätigen zu lassen. An einem halben Tag hatte er siebenunddreißig ausgesuchte Stühle aufgelistet, elf Tische verschiedener Größe, von einem Speisezimmertisch für zwölf Personen mit einem abgebrochenen Bein bis hinab zu einem runden Beistelltischchen mit feinen Intarsien aus Perlmutt und der Spur eines Schwerthiebs quer hindurch. Er sah sich in dem riesigen Raum nach den Stücken um, die noch zu katalogisieren waren Vitrinen mit tiefen Rissen, Schreibtische mit zerbrochenen Tischplatten, zusammengebrochene Schemel, wacklige Kredenzen, intarsiengeschmückte Sekretäre mit abgerissenen Türen - so viel, so viel! Es war klar, dass er noch Tage brauchen würde, um allein die Bestandsliste fertig zu stellen. Und noch länger, um die Schäden im einzelnen zu begutachten und vernünftige Kostenvoranschläge für die Reparaturarbeiten in London zu erstellen. Als ihm diese Erkenntnis aufging, beschloss er, sich erst einmal ein Ruhepäuschen auf der staubigen Chaiselongue zu gönnen. Wie um alles in der Welt mochten diese ganzen Möbel nur kaputtgegangen sein? fragte er sich, während er sich umsah. Waren die Malvolios in ihren großen Zeiten zu Hause besonders aggressiv gewesen? Hatten die Männer Schwerter gezogen und im Speisesaal Duelle bis zum Tode ausgefochten? Welcher zornige Malvolio hatte ein barockes Rosenholzschreibtischchen zugenagelt? Und dann der elegante Rokoko-Betstuhl mit einem in die Ellbogenstütze eingelassenen handgemalten Porzellanschildchen (ein Bild der Madonna zur Unterstützung der Konzentration des Gläubigen). Warum war das Schildchen zerschlagen und die eine Hälfte unersetzbar verloren? Ein plötzlicher Wutanfall über ein unerhört gebliebenes Gebet? Und wie konnte irgendeine längst vergessene Dame die Petit-point-Stickerei auf dem Bezug ihrer Chaiselongue so ruinieren? Dazu bedurfte es mehr als kratzender Fingernägel in einem Anfall von Leidenschaft!
Von den Stühlen und anderen Sitzmöbeln wandten sich Tobys Gedanken nun wieder den Damen zu, die darauf gesessen hatten, und von dort war es nur ein kleiner Schritt zu den weiblichen Hinterteilen. Und zu den Kleidern, die sie bedeckten. Das früheste Möbelstück, auf das er bisher gestoßen war, war älter als der Palast selbst. Der ursprüngliche Palazzo Malvolio war 1451 am gleichen Standort erbaut und im 18. Jahrhundert durch einen Brand zerstört worden. Der neue Palazzo wurde 1736 auf den Fundamenten des alten im Stil dessen errichtet, was man damals für den neuesten architektonischen Schrei hielt: einer Abart des Palladianismus. Offenbar war viel aus dem Feuer gerettet worden, nicht nur die Gemälde, sondern auch einige Möbel. Mit Hilfe der Gemälde, die Toby gesehen hatte, versuchte er sich zu erinnern, was die feine Dame im Jahre 1451 im alten Palast getragen hatte. Seidene Roben, die unter der Brust eng anlagen, dachte er, tief ausgeschnitten, um so viel Dekollete wie möglich zu zeigen, eng anliegende lange Ärmel und bodenlange Röcke mit Schleppen. Und darunter? Einen dünnen Unterrock und sonst nichts, damit das Hinterteil aufs Vorteilhafteste zur Geltung kam. Als die Malvolios im 18. Jahrhundert in den wieder aufgebauten Palast einzogen, müssen die Damen der Familie Reifröcke getragen haben, dachte er. Noch immer wird reichlich Busen gezeigt und mehr Arm, mit kurzen Ärmeln. Wenn sie sich niedersetzten, ordneten sie Röcke und Reifen so, dass nicht zu viel Bein zu sehen war - Beine in weißen Seidenstrümpfen, die kurz über dem Knie gebunden waren. Damenunterhöschen waren natürlich noch nicht erfunden - ein unternehmungslustiger Gentleman, der neben einer Dame saß, konnte eine Hand unter die weiten Röcke gleiten lassen und fühlen, was sich zwischen ihren bloßen Schenkeln tat. Die Risse in der Stickerei, auf der Toby jetzt gerade saß - hatte ein Akt leidenschaftlicher und heftiger Gegenwehr sie verursacht? Und wie verhielt es sich mit dem pfostenbewehrten Baldachinbett da hinten in der Ecke? Bestimmt hatten einst nackte Damen mit gespreizten Beinen darin gelegen und sich beglücken lassen. Vielleicht hatte auch ein längst verblichener Malvolio mit mehreren Frauen zugleich darin umhergetollt. Groß genug war es. Das würde es mächtig zum Knarren und Quietschen gebracht haben obwohl nur schwer vorstellbar war, wie dabei ein Meter der kunstvollen barocken Holzschnitzerei rund um den oberen Teil des Rahmens, drei Meter über dem Boden, herausgebrochen sein konnte. Es sei denn, er hätte sich mit einem Schwung aus den Laken erhoben und ein nacktes Mädchen darin vor und zurück geschwungen. Es war leicht, sich auch die Contessa Marina in einem solchen Baldachinbett vorzustellen. Bequem darin liegend, halb versunken in einem weichen Daunenbett, mit hochgezogenen, ausgebreiteten Knien, die Arme zum willkommen ausgestreckt. Leicht war es auch, sie sich in einem der breiten, bequemen Sessel sitzend vorzustellen, die hier im Lager standen. Sie hatte die üppige Figur, die zu diesen ausladenden Möbeln passte. Ihr Hinterteil war von der runden Art, und obwohl für Tobys Geschmack viel zu dick, hatte es sicher einen feinen Anblick geboten, als sie sich über die Brüstung der Rialto-Brücke gebeugt und Freund Orlando ihren Rock gehoben hatte. Ein weicher weißer, runder Hintern, der im Mondlicht schimmert, die geöffneten Schenkel erlauben einen flüchtigen Anblick von krausem Haar, wo der Venushügel enthüllt liegt - ein Motiv für ein Gemälde von Tiepolo, eine Vision perlmuttfarbenen Fleischs und köstlicher Kurven! Anna-Louisas Hintern hatte er nicht gesehen, obwohl er sehr nahe daran gewesen war, als sie auf seinem Gesicht gesessen hatte! Aber nach allem, woran er sich bei ihr in bekleidetem Zustand erinnerte, war er rund und auf eine aus der Mode gekommene Art und Weise gewölbt. Es war nur eine Frau bei Prinzessin Zitas Lunch zugegen gewesen, die einen Hintern hatte, der ihn interessierte: die Amerikanerin, und die war viel zu alt. Sie trug enganliegende Kleider, um ihren schlanken und flachen Po zu betonen - und Toby wusste, er würde sehr fest sein und dem Druck der Fingerspitzen widerstehen, die sich in die Hinterbacken gruben. Ihre Figur entsprach genau dem Ideal, das er bewunderte - kleine Brüste, die sich unter ihrem Kleid nur als sanfte Wölbung abhoben, schmale Hüften, eine kaum merkliche Bauchrundung und lange, schlanke Schenkel. Welch ein Jammer, dass sie nicht zwanzig Jahre jünger war! Die schlanke, busenlose, in Amerika geborene Contessa Flagranti hatte behauptet, der Palazzo Malvolio fiele seinen Besitzern über dem Kopf zusammen, aber Toby wusste, dass das eine Übertreibung war. Vernachlässigt und baufällig war er zweifelsohne, aber wenn dort nichts zu holen gewesen wäre, hätten ihn Fitzroy Dalrymple, Antiquitätenlieferanten des hohen und niederen Adels, nicht nach Venedig geschickt.
Er hatte den Palast ein paar Tage vor den seltsamen Ereignissen bei Prinzessin Zitas Lunchparty erstmals zu Gesicht bekommen. Er war mit dem Schnellzug aus Paris gekommen und trat aus dem Bahnhof heraus auf die breite Pier, an der Wasserbusse und Gondeln Passagiere aufnahmen. Ein Gepäckträger trottete mit dem Gepäck hinter ihm her, als ein untersetzter Mann mittleren Alters in einer abgetragenen violetten und gelben Livree Toby entgegenkam und sich verneigte. Zuerst dachte Toby, die ungewöhnliche Kleidung sei für die Touristen bestimmt, ganz so wie die Beefeater im Londoner Tower, aber der Mann erklärte alsbald in gebrochenem, aber verständlichem Englisch, dass er von der Signora Tandy geschickt worden sei, um Signor Giovise, so die verballhornte Version seines Namens, zum Palazzo Malvolio zu bringen. Er hatte eine offene Motorbarkasse neben der Reihe der Gondeln festgemacht, in der er Toby und die Koffer unterbrachte, worauf er in den endlosen Verkehr auf den Canal Grande hinausschoss. Er lenkte sein Boot um knatternde vaporetti, auf deren Decks es von Touristen wimmelte, und an dahin gleitenden Gondeln mit Flitterwöchnern vorbei, die hier zwischen den Runden im Hotelbett ein bisschen frische Luft schnappten. Die Gebäude zu beiden Seiten des Kanals glitten vorüber, und Toby war wie benommen vom grandiosen Anblick Venedigs. Sein Fachinteresse galt Möbeln, nicht der Architektur, aber man musste kein Experte sein, um die Pracht in Stein würdigen zu können, die Jahrhunderte beharrlicher menschlicher Anstrengungen geschaffen und zur Erinnerung hinterlassen hatten. Vorüber an weißen Kirchenkuppeln, erbaut zu Ehren von unbekannten Heiligen, vorüber an Palästen mit Marmormosaiken, errichtet von reichen Geschäftsleuten, als der englische Adel noch in zugigen, befestigten Schlössern gewohnt hatte, vorüber an Lagerhäusern, schöner im Design als der Palast von Heinrich VIII. in London, und dann zur weißen Rialto-Brücke, die den Kanal überspannte. Dann weitere Paläste, manche in Stein, manche in rosa verwittertem Backstein, manche mit Terrakotta Verputz, mit Markisen und Blenden und privaten Anlegern und gestreiften Pfählen, die aus dem Wasser ragten.
Der Bootsmann wies nach vom und verkündete »Eccolo, Signor, il Palazzo Malvolio«, und Toby setzte sich auf, um zu sehen, wohin Mrs. Tandy ihn da eingeladen hatte. Der Palazzo stand am linken Ufer, wo der Canal Grande in die gleiche Richtung bog. Der Baustil war deutlich erkennbar 18. Jahrhundert, was in Venedig bedeutete, dass er fast neu war. Da hatte Toby Prinzessin Zitas Palast noch nicht gesehen - dreihundert Jahre älter als der der Malvolios, aber bei weitem nicht das älteste bewohnte Gebäude in Venedig. Der Palazzo Malvolio war mit weißem Stein verkleidet, der im Laufe der Jahrhunderte grau geworden war und der Renovierung durch Experten bedurfte. Längs der gesamten Vorderfront standen korinthische Säulen, die eine Zeile steinerner Balkone trugen, darüber erhob sich eine weitere Säulenreihe und darüber eine Doppelreihe kleinerer Säulen. Vor einem breiten, steinernen Landesteg, der ebenfalls über die ganze Breite des Gebäudes ging, erhoben sich dicke Holzpfeiler aus dem Wasser, gestreift wie Zuckerstangen, aber voller Risse und Spalten und halb verrottet von Wasser und Sonne. Die Pfeiler wurden zum Festmachen der Boote benutzt und waren in den Farben der Familie gestrichen, der der Palast gehörte - Toby wusste bereits von der ausgeblichenen Livree des Bootsführers her, dass es Gelb und Violett waren. Ein Bediensteter kam heraus, als das Boot längsseits anlegte, und auch er trug eine Livree - langes Jackett, Kniehose und weiße Strümpfe, ebenso fadenscheinig wie die Kleidung des Bootsmanns. Es war nur zu offensichtlich, dass Mrs. Tandy schwere Zeiten durchmachte. So bedauerlich das sein mochte, es war zu seinem Vorteil, dachte Toby. Bettler können nicht wählerisch sein, hieß es, obwohl die Leute mitunter grandiose Vorstellungen davon hatten, was ihr Besitz wert war. Sie wurden desillusioniert und verbittert, wenn man ihnen ein Bar Angebot machte, das unter ihren Erwartungen lag. Er folgte dem Bediensteten durch ein imposantes Portal in eine Empfangshalle, die von einer Ornamenten reichen Marmortreppe dominiert wurde. Hier erwartete ihn eine weitere imposante Erscheinung - ein silberhaariger Mann in schwarzem Gehrock. Er verneigte sich tief vor dem Besucher und erklärte, er sei der Majordomus, und sein Name sei Luigi. Toby vermutete, dass er in England der Butler gewesen wäre. Er führte Toby die breite Treppe empor, an deren Seiten in Mauernischen lebensgroße Statuen standen. Es waren natürlich Figuren aus der klassischen Mythologie bei diesem Architekturstil war nichts anderes möglich. Da stand etwa eine nackte Venus, die einen Apfel darreichte, und ein Herkules im Löwenfell. Der Marmor der beiden sah verschmutzt aus und bedurfte dringend der Pflege.
In den Tagen seit seiner Ankunft hatte Toby den Palazzo Malvolio etwas besser kennengelernt, obwohl er wusste, dass es noch zahllose Spiegelsäle und Zimmer mit Tapisserien gab, die er noch nicht gesehen hatte. Aber nun saß er hier im obersten Stockwerk und versuchte, ein Inventar von ausrangierten Möbeln aus vier Jahrhunderten zu erstellen. Seine gedanklichen Exkurse über die Hinterteile von Frauen und das Vergnügen, das sie bereiteten, hatten eine schleichende Nebenwirkung. Allmählich versteifte sich etwas in seiner Hose, eine Schwellung, eine neue Kraft machte sich bemerkbar. Er legte die Handfläche über den schwellenden Körperteil, wie um ihn ein wenig zu beruhigen, und grinste, als er fühlte, dass er sich seiner Hand entgegenstemmte. Er brauchte eine nette Frau, aber es schien keine für ihn verfügbar zu sein. Wenn man Anna-Louisa Ziani glauben durfte, so erfreute sich Contessa Marina an jedem gutaussehenden jungen Mann, der im Palazzo Malvolio wohnte. Aber abgesehen von ihren Vertraulichkeiten auf der Rialto-Brücke hatte sie ihm kein Zeichen eines Wunschs nach näherer Bekanntschaft gemacht. Er schloss daraus, dass Anna-Louisas Charakterisierung der Contessa eine Übertreibung war, die ihr der Neid eingegeben hatte. Unmöglich, sie als verbindliche Wahrheit zu nehmen, war es doch allzu offensichtlich, dass Anna-Louisa versuchte, gegen ihren ab wesenden Ehemann und zugleich auch gegen die Freundin Punkte zu sammeln - und Punkte gesammelt hatte sie in der Tat. Sie hatte Tobys Gesicht buchstäblich in ihre Kerbe gerieben, und obwohl er grinsen musste, als er sich jetzt daran erinnerte, war er doch auf eine Revanche aus, sobald sich eine Gelegenheit dazu bot. Wie, davon hatte er nur eine sehr vage Vorstellung, aber ihm schien, als wäre seine Ehre wiederhergestellt, wenn er ihr seinen cazzo in den Mund schieben und seine Lust in ihre Kehle spritzen könnte. Während er so darüber nachdachte, rieben seine Finger unwillkürlich über das dünne Material seiner Hose und verschafften ihm angenehm erregende Gefühle. Dabei hörte er gar nicht, dass sich eine entfernte Tür öffnete und schloss. Er schreckte erst aus seinen Träumereien auf, als eine Stimme hinter ihm seinen Namen aussprach dann fuhr er auf der Chaiselongue herum und sah Marina nur wenige Schritte entfernt stehen. Die Contessa war sehr schick in eine Bluse und einen Faltenrock gekleidet. Die Bluse war aus türkisfarbener Seide und ging bis über die Hüften hinab, sie trug sie offen über dem kirschroten Rock. Die Rüsche des Kragens lief die ganze Vorderseite der Bluse hinab bis zum Saum. Die Ärmel weiteten sich unterhalb der Ellbogen ebenfalls zu glockenförmigen Rüschen, passend zum Kragen. Toby sprang linkisch auf; er war sich der dicken Schwellung in seiner Hose bewusst. »Haben Sie denn die Inventarliste schon abgeschlossen?« fragte sie mit einem aufmunternden Lächeln, als sie um die Chaiselongue herumging. Toby erklärte ihr, dass er noch kaum vorangekommen sei und sich hier hingesetzt habe, um abzuschätzen, was er bisher inventarisiert habe und wie lange er für den Rest brauchen würde. Marina nickte, schaute auf die langen Risse in der bestickten Polsterung hinab und setzte sich vorsichtig. Toby nahm neben ihr Platz. Ihre vollen Brüste hingen schwer in der türkisfarbenen Bluse. Toby sah sie zartrosa durch die dünne Seide schimmern - ein deutliches Zeichen, dass sie nichts darunter trug. Er merkte, dass er sie anstarrte und Lust verspürte, sie zu liebkosen. Ob sie wütend werden würde, wenn er seine Hand ausstreckte und sie berührte? »Wirklich, Toby!« rief sie, als sie seinen Blick bemerkte. »Wie Sie da auf meinen Busen starren, das ist einfach ungehörig.« Einen Moment lang dachte er daran, sich zu entschuldigen, aber das war gar nicht nötig. Ihre Worte schienen eher als Ermunterung gemeint gewesen zu sein, denn jetzt sah er mit Vergnügen, dass sie langsam die unter der Rüsche verborgenen Perlenknöpfe öffnete und den Stoff auseinanderzog. Ihr Brüste hingen weich und schwer wie Früchte, reif, gepflückt zu werden, mit opalweiß schimmernder Haut und roten, aufgerichteten Knospen. »Sehen Sie sich nur satt«, sagte sie und hielt die Bluse mit beiden Händen auseinander, »ich weiß, welch großartige Wirkung meine Brüste auf Männer haben. Das war schon so, als ich ein junges Mädchen war. Ich bin oft von Künstlern gemalt worden, wissen Sie. Der allererste war Augustus John, als ich Debütantin in London war. Als ich dann den Grafen heiratete und hierher kam, wollte jeder junge Künstler in Venedig, dass ich für ihn Akt sitze. Ich habe nie abgelehnt, weil ich glaube, dass man der Kunst gegenüber eine gewisse Verantwortung hat, meinen Sie nicht?« Während sie sprach, wog sie die Brüste in den Händen. »Aber die Künstler von heute sind nicht mehr das, was sie einmal waren«, fuhr sie mit einem Anflug von Traurigkeit fort, »nicht einmal die Italiener. Seit Kriegsende haben sie jedes Interesse am Malen schöner Frauen verloren. Heutzutage geht es nur noch um Bilder von Zahnrädern und Flugzeugen und albernen Rennwagen und Maschinen verschiedenster Art. Ich kann das gar nicht begreifen.« Sie seufzte und legte Tobys Hände auf ihre bloßen Brüste. Die Haut fühlte sich unter seiner Berührung seidenweich an, das Fleisch warm. »Mit jungen Männern, ob nun Künstler oder nicht«, sagte sie, »die ölige und gefährliche Maschinen dem Gefühl der Brüste einer Frau vorziehen, stimmt einfach etwas nicht. Mögen Sie moderne Malerei, Toby?« »Ich ziehe das Gefühl zarter Brüste dicken Bolzen vor«, sagte er mit einem nachdenklichen Lächeln und wurde nun wagemutiger. Seine Daumenkuppen strichen über ihre aufrecht stehenden Knospen. Marinas Hand lag auf seinem Schenkel; sie musterte ihn mit einem verträumten Blick aus dunkelbraunen Augen. Dann knöpfte sie ihm die Hose auf und zog seinen strammen Steifen heraus. »Ja, ich kann es sehen«, sagte sie. »Es heißt, dass der hier niemals lügt - aber manchmal bin ich mir da nicht so sicher. Früher, wenn ein Mann interessiert war, stand er und war hart. Wenn er klein und weich blieb, war er Zeitverschwendung. Aber auch das war einmal.« »Ich kann nicht glauben, dass Ihnen das je passiert ist, Marina.« Sie sagte nichts, aber er hörte ein Seufzen wie vor Ärger über eine Erinnerung. Ihre Hand packte seinen Mannesstolz und glitt in angenehmem Rhythmus daran auf und ab. Er presste ihre warmen Brüste zwischen seinen Handflächen und rollte sie hin und her. »Ihnen stand er schon bevor ich kam«, sagte sie. »Als Sie aufstanden, konnte ich die Ausbuchtung in Ihrer Hose sehen. Woran dachten Sie gerade? An eine Freundin in London?« »Aber nein, da gibt es niemanden. Um ehrlich zu sein, ich dachte an Sie, wie Sie mit bloßem Hintern des Nachts auf der Rialto-Brücke stehen«, sagte er kühn. »Wirklich?« sagte Marina und hob die sorgfältig gezupften Augenbrauen. »Hat Sie der Gedanke an mein kleines Abenteuer so erregt?« »O ja«, seufzte Toby, »es hat mich sehr erregt, Marina.« Seine Stimme klang ein wenig rau, weil das Gefühl der bevorstehenden Entladung sich von seinem cazzo aus in seinem Bauch ausbreitete. »Ich möchte mit Ihnen Liebe machen, Marina, hören Sie auf, bevor es zu spät ist!« »Es ist nie zu spät«, sagte sie, und ihre Hand bewegte sich schneller und fester. Sofort fühlte er seine glühende Männlichkeit in ihrem Griff dicker und härter werden. Gleich würde es geschehen - er würde sich entspannen und sich in ihre Hand verströmen. Jetzt war der Augenblick gekommen zu handeln. Toby packte Marina am Handgelenk, stand auf und zog sie auf die Füße. Zehn rasche Schritte durch die Möbelstapel brachten sie zu dem Rokoko prie Dieu mit dem zerbrochenen Porzellanschildchen. Dort stieß er Marina auf die Knie nieder, auf das staubige, ausgeblichene malvenfarbene Kissenpolster. Die Contessa verstand sofort, was Toby vorhatte, und begann ihren roten Faltenrock über ihre Schenkel hochzuziehen. Toby kniete sich auf den harten Boden hinter sie und schob seine Hand unter ihren Rock. Als er das bloße Fleisch ihrer Schenkel zart und aufregend über den Strumpfbändern fühlte, stieß er einen lüsternen Seufzer aus. »Dann ist es also wahr«, flüsterte sie, noch damit beschäftigt, ihren enganliegenden Rock über die Hüften hochzuziehen, »mein Abenteuer auf der Rialto-Brücke hat Sie wirklich erregt! Sie wollten genau dasselbe tun wie Orlando!« »Ich will ihn übertreffen«, sagte Toby etwas prahlerisch, ohne zu wissen, worauf er sich einließ Seine suchende Hand hatte Spitzen gefunden und dann die glatte Seide ihres Schlüpfers. Jetzt war es an ihr zu seufzen, vielleicht wegen der zarten Liebkosung, vielleicht wegen des Versprechens, das er gerade gegeben hatte. Ihre Knie auf dem abgenutzten Betstuhlkissen glitten auseinander, und seine Finger drängten sich sanft durch den offenen Beinling ihres Schlüpfers. Ihre fica war vorgewölbt und voll dichter Locken. Mit einer Erregung, die seinen ganzen Körper erschütterte, befingerte er ihre warmen Schamlippen. Marina zitterte vor Erwartung. Sie legte die Arme flach auf die Betstuhlbrüstung und beugte sich in einer Geste totaler Hingabe vornüber. Toby zog ihr den elfenbeinfarbenen Seidenschlüpfer über die Schenkel hinab und liebkoste die drallen, runden Hinterbacken. Sein cazzo pochte und bäumte sich aus der aufgeknöpften Hose. Er wollte ihn tief in den dunkelhaarigen Spalt versenken. Marina wandte den Kopf zur Seite, um ihn aus dem Augenwinkel ansehen zu können. Ihr Mund stand in einem verzückten Lächeln offen. Toby führte die Spitze seines hüpfenden Schwengels an den erwartungsvollen Schlitz und stieß ihn kraftvoll hinein. Sie stieß einen schrillen kleinen Entzückungsschrei aus und schob ihm ihre Lenden entgegen, um ihn noch tiefer hineinzubekommen, wenn das überhaupt noch möglich war. Toby umschlang sie und packte ihre großen, weichen Brüste, während er ihn in schnellem Stakkatorhythmus von hinten in sie hineinrammelte. Ein ekstatisches Zucken in seinem Bauch kündigte ihm an, dass sein Höhepunkt gekommen war - mit einem lauten, triumphalen Stöhnen stieß er ein letztes Mal in ihre schlüpfrige fica und spritzte leidenschaftlich los. Ihr Kopf flog mit einem Ruck zurück und ein lauter Lustschrei drang aus ihrer Kehle. Als es vorüber war, richtete sie sich langsam auf, bis sie sich auf ihren seidenbestrumpften Knien halb umdrehen konnte, um ihn leicht auf den Mund zu küssen, und strich ihm mit den Fingerspitzen über die Wangen. »Das hast du gut gemacht, carissima«, sagte sie und lächelte anmutig. »Besser als Orlando?« fragte er mit einem trägen Grinsen und rechnete natürlich mit einem Ja. »Das muss sich erst noch erweisen«, sagte Marina. »Orlando hat mich in jener Nacht mehr als einmal entzückt. Die Rialto-Brücke war, was die Italiener den momento culminante nennen - es war das zweite oder dritte Mal, ich habe vergessen, das wievielte. Aber geendet hat es jedenfalls damit, dass er mich in der Gondel nach Hause brachte und mich mit dem Rücken an der Palastmauer nahm.« Toby sagte nichts, sondern fragte sich, warum er so unbedacht gewesen war, damit zu prahlen, er würde Orlando übertreffen. Plötzlich stand sein Stolz auf dem Spiel - nicht zu reden von seiner Ehre, sofern die überhaupt etwas bedeutete. Er legte Marina die Hand zwischen die Beine, befingerte die nassen, geweiteten Lippen dort, und tastete sich nach innen vor, um ihren verborgenen Lustpunkt zu berühren. Er sah, wie sie stöhnte, die Augen schloss und zitterte, als er ihn fand. »Das Bett da drüben«, flüsterte sie und machte eine Kopfbewegung zu dem großen Baldachinbett mit dem zerbrochenen Oberteil, »schaffen wir es bis dahin?« »Wir können es ja versuchen«, sagte Toby, und seine Fingerspitze flatterte leicht auf dem verborgenen Punkt, um sie rasch wieder zum Orgasmus zu bringen. »Ich werde Sie dort nackt ausziehen und Sie mit weit gespreizten Beinen auf den Rücken werfen ...« »Si, si!« stöhnte Marina. »O ja!«
Fortsetzung folg...




